Codex-Eintrag
← Zurück zur LoreDie Welt von Nachtbruch
Die Welt von Nachtbruch ist keine Welt im Gleichgewicht — sondern ein belagerter Zufluchtsort. Jenseits des Walls wartet etwas, das nicht vergessen hat. Und alles, was innerhalb lebt, existiert nur, weil es noch nicht hindurchgebrochen ist.
Die Welt von Nachtbruch ist älter, als es die Geschichtsbücher der Menschen jemals begreifen könnten.
Es gab eine Zeit vor den Reichen, vor den bekannten Göttern — eine Zeit, in der andere Mächte herrschten. Wesen, deren Existenz heute nur noch als verzerrtes Echo in vergessenen Legenden überdauert. Doch selbst diese waren nicht die ersten.
Denn jenseits aller Erinnerung existieren Kräfte, die keinen Ursprung kennen.
Dunkelheit, die keinen Ursprung kennt.
Ein Flüstern, das kein Anfang hatte.
Lange bevor der erste Mensch den Sand Stygiens betrat, erhoben sich die Großen Alten und die Schlangenmenschen und formten ein Reich jenseits von Licht und Ordnung. In jener fernen Ära, als die Sterne noch anders am Firmament standen, tobte ein Krieg zwischen Mächten, die nicht für die Welt bestimmt waren.
Aus diesem Krieg ging etwas hervor, das nicht beherrscht werden konnte:
Die Nharuk.
Sie waren kein Volk. Kein Reich. Keine Schöpfung.
Sondern eine neue Form der Finsternis.
Selbst die Großen Alten erkannten, dass diese Mächte nicht beherrscht werden konnten.
Also taten sie das Einzige, was blieb:
Sie trennten die Welt.
Die ältesten Magier, Halbgötter und vergessenen Entitäten — Namen, die heute nur noch als Flüstern in verbotenen Folianten existieren — erschufen eine Barriere.
Den Wall.
Ein Schutzschild aus unzerbrechlichem Willen, Erinnerung und Opfer.
Gebunden durch die Siegel von Acheron, eingraviert in schwarzen Obsidian und gehärtet mit dem Blut von Göttern.
Innerhalb des Walls entstand eine Zuflucht der Menschen.
Außerhalb blieb die Dunkelheit.
Die Götter sahen dieses Werk — und einige griffen ein.
So entstand ein fragiles Gleichgewicht:
Die Menschen leben.
Die Götter werden verehrt.
Und der Wall hält.
Noch.
Doch kein Schutz ist vollkommen.
Zu häufig, um es Zufall zu nennen — finden einzelne Nharuk einen Weg durch die Barriere. Nicht als Armeen, nicht als Sturm.
Sondern als Flüstern.
Sie dringen hindurch, zersplittert, unvollständig — und suchen Schutz vor dem Licht. Unter dem Sand, in Ruinen, an vergessenen Orten bewegen sie sich lautlos weiter, fern von Blicken.
In den Nächten von Velakris berichten jene, die zu tief träumen, von einem Kratzen.
Nicht laut.
Nicht nah.
Aber immer näher.
Die Siegel leuchten heute noch immer in einem kalten, unheilvollen Violett.
Nicht nur, um fernzuhalten — sondern um zu warnen. Denn jenseits des Walls warten die Nharuk.
Sie beobachten.
Geduldig.
Und sie lernen.